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Archiv für den Monat September 2011

Mein Vater sagt immer „Unter’m Strich, steht nur eins: Das Ergebnis…“

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was er damit meint. Jetzt sitze ich an einem Tisch, draussen im Park, denke ueber alles nach, und beginne langsam zu verstehen. Mein gesamtes Leben war ich auf der Suche. Nach dem Sinn, Unsinn, Naehe, Geborgenheit und Glueck. Dem Glueck, das unzaehlige schon fanden, es aber nur mit den Fuessen treten, da sie wirkliche Werte nicht schaetzen koennen. Sie haben keine Vergleiche. Alles steht in Relation. Gut zu schlecht, traurig zu froehlich, huebsch zu haesslich, schnell zu langsam.. einfach alles wird mit der Hilfe eines anderen Objektes oder Gefuehls ermessen. Wie kann jemand wissen, dass er gluecklich ist, ohne ungluecklich gewesen zu sein? Woher wuessten wir, dass ein Wagen schnell faehrt, haetten wir nicht die an uns vorbeifliegende Landschaft, an der wir uns orientieren? Immer wieder lasse ich den Bleistift zwischen meinen Fingern kreisen und nicke geistesabwesend.

„Ich sollte nicht mehr suchen!“ sage ich mir.

Mein Schachpartner tippt mir mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Stirn und sagt:

„Junge. Du hast ein Viertel deines Lebens hinter dIr, aber gefuehlt hast du bereits fuer tausende. Lass los. Lass deine Gefuehle los und, du wirst sehen, sie werden wiederkehren. Das verspreche ich dir. Du kannst nicht das gesammelte Leid der Erde auf deinen Schultern tragen, sogern du wuerdest. Du musst, wie ein Messer, immer scharf bleiben, falls dich jemand braucht. Du darfst niemals, versprich mir das, niemals abstumpfen. Wenn du so weiter machst, wirst du das aber. Gefuehle sind wie eine teures Spielzeug: Du kannst jeden Tag damit spielen, aber dann wird es nach einem Jahr in seine Einzelteile zerfallen und du hast nichts mehr. Wenn du es aber nur ab und zu aus dem Schrank holst, zu den richtigen Anlaessen, kannst du damit dich, und die Menschen, die du daran teilhaben laesst, ein ganzes Leben lachen lassen.“

Er hat Recht. Wie ich so darueber nachdenke, werde ich wohl niemals aufhoeren koennen, ein weniger rational, als emotional handelnder Mensch zu sein. Ich werde es niemals schaffen, meine Vergangenheit zu vergessen, denn sie, so schmerzhaft es auch manchmal ist, ist ein Teil von mir. Was ich aber durchaus schaffen koennte, ist, bestimmte Dinge nicht zu nah an mich heran zu lassen. Sie lieber in eine Glasvitrine packen und von Zeit zu Zeit einen Blick darauf werfen, mit Abstand und weniger Emotionen, als das im Moment der Fall ist. Langsam beginne ich zu verstehen.. Meine Vergangenheit, meine Gefuehle und ich, wir koennen nicht nur ein leicht zerbrechendes, sondern auch ein alles durchbrechendes Team sein.

Wie sagt mein Vater immer?
„Unter’m Strich, steht nur eins: Das Ergebnis…“

Und das ist, auch mit negativen Vorzeichen, irgendwie ein positives.

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